Ultraleichte SCHROTH-Sicherheitsgurte für den Flugzeugbau

Arnsberg. Neheim. Der Sicherheitsgurthersteller SCHROTH aus Neheim ist mit seinem neuen Gurt für Flieger Innovationsführer. Das Produkt ist extrem leicht. Fluggesellschaften können so eine Menge Geld sparen.

Um Kerosin zu sparen, sind Fluggesellschaften seit vielen Jahren bemüht, das Gewicht der Maschinen zu reduzieren. Hierbei zählt jedes Gramm, das nicht bewegt werden muss. Denn hochgerechnet auf die vielen Flüge von Hunderten von Maschinen einer Flugzeugflotte ergibt sich bereits bei einer Gewichtsreduzierung von nur 60 Gramm pro Passagiersitz jährlich eine Kostenersparnis von mehreren Hunderttausend Euro für eine Airline. Genau dies bietet der in Neheim ansässige Sicherheitsgurt-Hersteller SCHROTH nun den Fluggesellschaften an.
Bereits im Frühjahr 2016 stellte die Firma auf der Hamburger Fachmesse „Aircraft Interior Expo“ eine Weltneuheit zur Reduzierung des Gewichts von Sicherheitsgurtsystemen an Flugzeugpassagiersitzen vor. Wilko Reinck, Ingenieur bei der Firma SCHROTH, hatte mit seinem Team eine ultraleichte Kunststoffbuchse entwickelt, die die bisherige metallene Gurtbefestigung („Shackle“) am Passagiersitz ersetzt. Da es pro Sitz zwei, jeweils 30 Gramm schwere Shackles gibt, wird eine Gewichtseinsparung von rund 60 Gramm pro Sitz erreicht.

Gespräche mit Sitzherstellern

„Wir führen intensive Gespräche mit Flugzeugsitzherstellern, die bei neuen Modellreihen auf diese neue Technik zurückgreifen wollen“, berichtet Wilko Reinck und zeigt die Kunststoffbuchse, durch deren Mitte einfach eine Schraube gesetzt wird, um sie mit dem Sitz zu befestigen. Die Sitzhersteller sparen darüber hinaus noch Geld, weil die Kunststoffbuchse preiswerter als der frühere metallene Shackle hergestellt werden kann.
Bis die ersten Kunststoffbuchsen an den Flugzeugsitzen montiert sind, dauert es allerdings noch ein wenig, da die Europäische Luftfahrtbehörde EASA das System für die Sitzhersteller noch zulassen muss. Als Sicherheitsgurthersteller verfügt Schroth bereits über die Zulassung. Sitzhersteller benötigen eine zusätzliche EASA-Zulassung. „Ich halte es aber für gut möglich dass bereits im nächsten Jahr die neuen Kunststoffbuchsen an den ersten Sitzen verbaut werden“, berichtet Reinck. Denn natürlich sind auch die Sitzhersteller im bestehenden Wettbewerb mit anderen Anbietern bemüht, das Gewicht der Sitze immer weiter zu reduzieren. Der Wettbewerb könnte also den Einzug in die Produktion beschleunigen.

Neue Kunststoffbuchse

Mit der Entwicklung der leichten Gurtbefestigung am Passagiersitz beweist die 130 Mitarbeiter starke Firma SCHROTH erneut ihr innovatives Potenzial in der Luftfahrt. Bereits vor etwa sechs Jahren brachte Schroth einen Sicherheitsgurt für Flugzeugpassagiere auf den Markt, der 60 Gramm leichter war als der bisherige Standard-Beckengurt in der zivilen Luftfahrt. „Durch einen leichteren Metallverschluss und die Überarbeitung des Gurtbandes reduzierten wir das Gurtgewicht von 300 auf 240 Gramm. Nun setzen wird mit der 60 Gramm leichteren Gurtbefestigung am Sitz noch einen drauf und reduzieren das Gurtsystem um insgesamt 120 Gramm“, berichtet Wilko Reinck, der gelernter Ingenieur für Fahrzeugtechnik ist. Andere Sicherheitsgurt-Hersteller hätten zwar schon bei der Reduzierung des eigentlichen Gurtgewichts nachgezogen, „doch unsere leichte Gurtbefestigung am Sitz ist weltweit einzigartig“, betont Reinck.

Um die Bedeutung von Gewichtsreduzierungen in Flugzeugen zu veranschaulichen, machte Wilko Reinck auf Anfrage unserer Zeitung eine Modellrechnung auf: „Es gibt den schon vor vielen Jahren berechneten Grundsatz: Ein Kilogramm weniger Gewicht pro Flugzeugsitz spart jährlich 90 US-Dollar (rund 80 Euro) pro Flieger.“

Modellrechnung

Übertragen auf die 60 Gramm pro Sitz und gerechnet auf 170 Plätze in einem Airbus 320 ergibt sich eine Gewichtseinsparung von 10,2 Kilogramm pro Jahr und Flieger. Gerechnet auf eine Fluggesellschaft mit 300 Maschinen und im Durchschnitt 170 Sitzen pro Maschine ergibt sich eine Einsparung von 275 400 US-Dollar (rund 250 000 Euro) pro Jahr für die gesamte Flugzeugflotte. Bei großen Airlines mit fast 1000 Flugzeugen und 150 000 Plätzen ergibt sich eine jährliche Einsparung von rund 810 000 US-Dollar (rund 725 000 Euro) pro Jahr - und das bei nur 60 Gramm weniger Gewicht pro Sitz!
Bei weiteren Einsparungen an anderen Stellen des Flugzeugs könnte also die 1-Million-Euro Marke pro Jahr pro Flotte zusammenkommen. „Hinzu kommt dann noch der Umweltschutz: Durch die Kerosinersparnis werden auch deutlich weniger Abgase erzeugt“, so Reinck.

Martin Schwarz

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